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LANDKEKS

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Anzahl der Beiträge : 324
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BeitragThema: STECKBRIEF   So Dez 09, 2018 7:46 am

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die leute lieben scheitern
& ich scheitere so sehr

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▲ Adrién Casseus Reynaud

▲ 28 Jahre alt

▼ Streetworker

▼ Calais

In der Szene kennt man ihn als lauten Typen aus der ersten Reihe, in der Stadt als den abgerutschten Sohn des Stadtrates. Adrién ist einer von denen, die reden können, mitreißen können, die die auf Szeneneulinge losgelassen werden weil man weiß, dass er sie kriegt mit seinen Argumenten und der feuernden Überzeugung. Wenn man ihn reden lässt, kann man ihm ansehen, dass er dafür lebt; dann wendet er sich einem mit dem ganzen Körper zu und hat einen Glanz in den Augen, den man so nur von Kindern kennt. Adrién ist mit Herz und Seele Antifaschist, begeisterter politischer Querulant und absolut uneinsichtig, wenn man ihm mit Politikmüdigkeit, Desinteresse oder gar konservativen Überzeugungen kommt. Man kann sich relativ sicher sein, dass er auf der nächsten Demo mit von der Partie ist, natürlich in erster Reihe - Angst hat er, trotz vieler unschöner Erfahrungen mit Polizei und Rechten, keine.

Wenn es nicht gerade um Politik geht - und darum geht es in Gesprächen mit ihm sehr häufig, zum Leidwesen seiner Freunde - ist er ein sehr entspannter, humorvoller Typ, mit dem es sich grandios abhängen lässt. Er weiß nicht nur wie man redet, er hört sich auch selbst gern sprechen, deshalb kann man davon ausgehen, dass er in gemütlichen Runden zuverlässig für die Unterhaltung aller sorgt. An Geschichten mangelt es ihm jedenfalls nicht. Mit Charme und Witz nimmt er mühelos Leute für sich ein, auch abseits von antifaschistischen Themen. Entsprechend gut besucht ist auch sein Bett, nicht nur von Frauen. Langfristige Beziehungen scheinen jedoch eher nicht sein Ding zu sein und er behauptet gern, dass er das so will, auch wenn er eigentlich nur hochgradig untalentiert in Beziehungssachen ist.


Bei -18° hab ich eingesehen


▲ Toussaint Henri Reynaud

▲ Nadège Reynaud

Adriéns Vater ist Parteimitglied der Les Républicains und sitzt seit Jahren im Stadtrat von Calais, man kennt ihn mittlerweile. In seiner Gegenwart hat man das Gefühl, dass Pobleme ernst genommen werden und Diskussionen erwünscht sind, was Adrién allerdings anders sieht. Seiner Meinung nach kann man mit seinem Vater überhaupt nicht reden. Toussaint tritt in seiner Partei für eine verschärfte Migrationspolitik und die Achtung christlich-konservativer Werte ein.
Nadège kam vor fast 40 Jahren mit ihrer Mutter aus Haiti nach Frankreich und hat seitdem jeden Tag ihres Lebens dafür gekämpft, es zu etwas zu bringen. Und das ist ihr gelungen. Heute leitet sie das Hôtel Restaurant de la Plage, eins der nobleren Hotels von Calais. Sie wohnt gemeinsam mit ihrem Mann in einer Einliegerwohnung mitten im Hotel. Während Toussaint den Kontakt zu seinem Sohn weitestgehend hat einschlafen lassen, bemüht sich Nadège nach wie vor um ihn.



▲ Léon Étienne Lazard

▲ Noelle Eleni Faivre

Jeder Mensch braucht diesen einen besten Freund, den er in jeder noch so beschissenen Situation anrufen könnte und sich seiner Hilfe sicher wäre. Für Adrién ist das Léon. Eine Sandkastenliebe quasi, nur in platonischer Ausführung. Auch wenn Léon seinen politischen Elan nicht teilt und vermutlich auch nie teilen wird, hat Adrién in ihm seinen sicheren Hafen gefunden. Für ihn ist er der Bruder, den er nie hatte; die Familie, die er sich aussuchen konnte. Auch wenn sie inzwischen nicht mehr zusammen wohnen, hängt andauernd einer in der Wohnung des anderen und fühlt sich wie Zuhause.
Noelle hätte mal seine Familie werden können. Dachte Adrién jedenfalls zeitweise. Er lernte sie bei seinem Volontariat in Senegal kennen, wo sie sich gemeinsam an Entwicklungshilfeprojekten versuchten. Sie kamen zusammen und blieben das, bis das Jahr endete und sie zwei Monate vor ihm zurück nach Frankreich ging. Heute wohnt sie in Paris und ist alleinerziehende Mutter eines dreijährigen Kindes (nicht von Adrién natürlich), der Kontakt zwischen ihnen ist mittlerweile wieder enger. Rein freundschaftlich natürlich, auch wenn sich Adrién eventuell immer noch Hoffnungen macht.



dass die Straße den Träumern gehört

Adriéns Welt war schon immer grenzenlos und sie gehörte ihm ganz allein. Ohne Geschwister war er der Prinz seiner Eltern, dem ein gesamter Hotelkomplex zu Füßen lag, in dem er sich völlig frei bewegen konnte. Alle Mitarbeiter waren gleichzeitig seine Babysitter und das Hotel der kühnste Spielplatz, den ein Kind sich wünschten konnte. Adrién war ein kleiner König in diesem Anwesen am Strand, mit so viel Fantasie gesegnet, dass ihm selten langweilig wurde und ihm nie der Gedanke kam, dass er gern Geschwister hätte. Er kannte jedes Versteck, lernte Schwimmen im Spa-Bereich und holte sich wann immer er wollte etwas zu Essen in der Küche. Es war nicht so, dass seine Eltern sich nicht um ihn kümmerten und er empfand es auch nie so. Sie ließen ihn gewähren, schenkten ihm die Freiheit, nach der er schon so früh strebte und hatten ausschließlich über seine Schulleistungen und Zubettgehzeiten ein waches Auge. Zu seinem Glück war er gut, ohne dass er viel machen musste. Er las Bücher, für die er viel zu jung war und lauschte alten Männern bei Gesprächen, die Kinder normalerweise nicht interessierten. Seine Welt war von Erwachsenen geprägt, die ihn meist wie einen der ihren behandelten. Nur in Kindergarten und Schule war er unter Kindern.

Dort lernte er auch seine bessere Hälfte kennen, ohne die er in den nächsten 24 Jahren nur selten zu sehen sein würde. Eigentlich wollte er den stillen neuen Jungen nur in sein Spiel einbeziehen - konnte ja keiner ahnen, dass Léon nicht fangen konnte und dastand wie ein Baum, als Adriéns Ball auf ihn zugeflogen kam. Der Tag endete mit einer Platzwunde für den Neuen und einer Standpauke für Adrién, die er wirklich nicht verdient hatte. Aber sie bewirkte, dass er in der Folgezeit nicht mehr von Léons Seite wich, um sicherzugehen, dass er ihn nicht schwerwiegend verletzt hatte. Und irgendwie blieb es dabei, irgendwann wichen sie sich gegenseitig nicht mehr von den Seiten und wurden zu diesem berühmt-berüchtigten Doppelpack, das man eigentlich nie ohne den anderen erlebte. Sie hatten die gleichen Freunde, verbrachten zahllose freie Nachmittage auf den Fluren des Hotels und schienen mit jedem Sommer unzertrennlicher zu werden. Das ging so weit, dass sie im süßen Alter von acht Jahren gemeinsam in die Karibik auswandern wollten, denn da kam Adrién ja quasi her. Das Vorhaben, seine unbekannte haitianische Familie zu besuchen, endete allerdings bereits am Hafen von Calais, weil sie kein Auto hatten, mit dem sie auf die Fähre fahren konnten (vom Fußgängerzugang wussten sie nichts) und aus unverständlichen Gründen niemand bereit war, die beiden kleinen Jungs mitfahren zu lassen. Nicht einmal das blonde Mädchen, das gerade mit ihrer Klasse auf dem Weg nach Dover war, wollte sie ins Gepäckfach des Busses schmuggeln. So endete der Ausflug mit Adriéns erstem Polizeikontakt und einer weiteren Standpauke, diesmal von seinen Eltern. Aber die größte Strafe war die Schwärmerei, die sein bester Freund für das unkooperative blonde Mädchen entwickelte und die sie von diesem Tag an für Jahre begleiten sollte.

Wie genau Adrién zu seiner ultralinken Einstellung kam, kann er selbst nicht mehr so genau sagen. Irgendwann mit 15 war er plötzlich auf der Suche, ohne zu wissen wonach. In der Schule wurden die Mädchen zu Emos, die Jungs zu Hoppern und ihm fehlte ein Label, mit dem er sich identifizieren konnte. Dass er sich daraufhin mehr mit Politik beschäftigte, war eigentlich nur Zufall. Ein vatergemachter Zufall, denn durch Toussant war Politik in der Familie allgegenwärtig, auch wenn er wenig darüber sprach. Adrién begann sich für seine Herkunft zu interessieren, für die Situation der Menschen auf Haiti, für die politischen Gegebenheiten ringsum. Das Nachbarland Kuba wurde schnell interessanter, der bröckelnde Sozialismus und der Kult um Castro und Che faszinierten ihn und schnell fand er sich auf Websites von REFLEXes wieder, der radikal-linken Dachvereinigung Frankreichs. Seine Hautfarbe wurde für ihn plötzlich zentrales Identifikationsmerkmal, er beschäftigte sich mit Rassismus und Perspektiven für Schwarze in Frankreich - Dinge über die er vorher nie nachgedacht hatte. Und hatte damit sein Label gefunden, das bald schon so viel mehr war als das.

Erwartungsgemäß waren seine Eltern wenig begeistert vom neuen Hobby ihres Sohnes, das sie spätestens dann ernstzunehmen begannen, als er die ersten Demos besuchte. Unterhaltungen waren da schon längst zu anstrengend geworden und Vater und Sohn bevorzugten getrennte Mahlzeiten - Adrién in seinem Zimmer vor dem PC, Toussaint mit seiner Frau, die das mit Sorge beobachtete. Die politischen Differenzen waren der Antrieb seiner Rebellion gegen seine Eltern, denen er ansonsten nichts vorzuwerfen hatte, mit einer fast zu perfekten Kindheit hinter sich, Geld und einer Perspektive - anders als viele andere Schwarze.

Nach einem passabel bestandenen Abitur zog es Adrién raus in die Welt, seine idealistisch-sozialistische Überzeugung stand in ihrem Zenit und er hatte die Schule satt. Auf eigene Faust suchte er sich eine Non-Profit-Organisation, die sich im Senegal um Entwicklungshilfe bemühte und hauptsächlich durch Freiwillige getragen wurde. Das Jahr war prägend und intensiv - nicht nur seine bis dato längste Beziehung fand sich dort, sondern auch seine bis dahin eher schlummernde soziale Ader. Er mochte die Arbeit mit den Menschen vor Ort, er mochte das Helfen, das Gefühl das es ihm gab, die körperliche Arbeit. Die ungeschönte Begegnung mit der Armut der Menschen bestärkte ihn in seiner Ablehnung kapitalistischer Systeme und als er zurückkehrte, war er nicht mehr nur überzeugt, er brannte für die Ziele von REFLEXes.

Was schon in Afrika als Idee gereift war, wurde zurück in Calais schließlich Realität - zusammen mit Léon schrieb er sich an der Universität von Lille ein, Politikwissenschaften als theoretische Basis für die praktische Rebellion. Während es Léon Richtung Soziologie und Journalismus zog, lebte Adrién zwischen all den Büchern und trockenen Theorien auf. Einziger Wermutstropfen war die Situation im Studentenwohnheim, in dem es für einen verwöhnten Hotelbewohner wie Adrién einfach zu eng, dreckig und preislich unangemessen war. Aus einem Saufgelage erwuchs dann die Idee, sich einfach mit Léon zusammen zu tun, schließlich hatten sie sich ein Jahr lang nicht gesehen und hatten definitiv etwas nachzuholen. Und Kommunen faszinierten Adrién seit er 15 war, da kam ihm dieser kleine Schritt vor als wäre es der erste in die entsprechende Richtung.

Das Studium nahm mit der Zeit eher lässigere Formen an, Adrién war ein vielbeschäftiger Mensch und die Semester strichen so dahin. Das Leben mit Léon zusammen war nicht immer harmonisch, aber es wurde genau das Leben, nach dem er sich immer gesehnt hatte. Es kam ihm bedeutungsvoll vor wenn Freunde bei ihnen rumhingen, aus den Lautsprechern seiner Anlage spacige House-Sounds tröpfelten und jeder ihre kleine Hanfplantage in der Badewanne mit Komplimenten überhäufte. Nächte und Tage wurden zu einem und Zeit spielte keine Rolle mehr. Bis Léon auszog jedenfalls. Nicht weil sie sich gestritten hatten oder das Zusammenleben nicht mehr funktionierte. Aber anders als Adrién bemühte sich Léon um feste Beziehungen und schaffte es doch tatsächlich, mit dem unkooperativen blonden Mädchen von damals, mit dem er mittlerweile ein Paar war, zusammenzuziehen. Daraufhin bewohnte Adrién die Wohnung allein weiter, ließ die Hanfplantage vertrocknen, kaufte sich vier Geckos und kniete sich in die verbliebenen Semester seines Studiums, um sie anständig zu Ende zu bringen. Und tatsächlich hängte er im Anschluss sogar einen Master ran, weil er nicht aufhören wollte zu studieren.

Es dauerte bis Ende 2017, ehe er seine Masterarbeit einreichte und bestand - zehn Jahre Studium auf dem Buckel und wenig Vorstellung von der Zukunft. Calais war deshalb die naheliegendste Entscheidung, weil er sich dort mehr gebraucht fühlte als in Lille. Der Dschungel, in dem er während seines Studiums über Wochen hinweg Flüchtlinge unterstützt hatte, war demontiert worden und die Haltung der Bevölkerung schlimmer als die seines Vaters geworden. Calais brauchte ihn und er folgte diesem Ruf, suchte sich eine kleine Wohnung im Zentrum (gezielt in der Nähe seines besten Freundes) und verzichtete erstmal auf einen Job, um die ansässige Antifaszene in Vollzeit stärken zu können. Es dauerte allerdings nicht lange, ehe man ihm auf diesem Weg eine offene Stelle ans Herz legte - als Sozialarbeiter und Streetworker in einem antifaschistischen Jugendclub, für die er mit seinem Master zwar nur teilweise qualifiziert war, aber der Verein war bereit, drei Augen zuzudrücken und sich auf seine Freiwilligenarbeit in Afrika zu berufen. Und so kam es, dass heute ein Langzeitstudent mit einem Master in Politikwissenschaften in einem Jugendclub Tanzunterricht gibt und bei absoluten Bullshit-Hausaufgaben neben den Kids über seinem Smartphhone brütet, weil er die Lösung ergoogeln muss.


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